Es war früh am Morgen. Der Förster patrouillierte wie gewohnt sein Gebiet und überprüfte den Flussabschnitt. In dieser Gegend kamen oft Angler oder Touristen vorbei, und er war es gewohnt, dafür zu sorgen, dass alles in Ordnung war.
Plötzlich hörte er das Weinen eines Kindes.
Zuerst dachte er, er bilde sich das nur ein. Doch der Laut wiederholte sich — deutlich, leise, wie das Weinen eines Neugeborenen. Schnell ging er zum Flussufer.
Nach ein paar Minuten sah er im Gras, auf dem halb feuchten Boden, ein kleines Bündel. Er ging hin, öffnete es — darin war ein Neugeborenes. Rot im Gesicht, frierend, weinend.
Der Förster erstarrte einen Moment. So etwas hatte er in seiner gesamten Laufbahn noch nie gesehen.
Er wollte das Kind bereits hochheben, als er den Nackenbereich bemerkte. Auf der Haut des Kindes war ein kleines, frisches Tattoo. Nicht groß, aber sehr deutlich. Ein symbolisches Muster — Kreis und Linien.
Das war noch nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass er dieses Zeichen bereits zuvor gesehen hatte.
Vor einigen Monaten waren Polizisten in den Wald gekommen. Es ging um eine Gruppe, die mit Kinderhandel beschäftigt war. Dem Förster wurden Fotos der gefundenen Kinder gezeigt. Bei einigen von ihnen war genau dieses Zeichen zu sehen. Laut den Ermittlern war es eine „Markierung“, um zu verstehen, woher das Kind kam, wem es gehörte und wohin es gebracht werden sollte.
Die Hände des Försters wurden eiskalt.
Er nahm das Kind schnell auf und rief die Polizei. Seine Stimme war angespannt, aber er bemühte sich ruhig zu sprechen. Er gab den Ort und die Situation durch.
Während er wartete, wirkte der Wald seltsam still. Nach einigen Minuten bemerkte er auf der anderen Seite des Flusses ein Auto. Schwarz, ohne Nummernschilder.
Das Auto stand, aber der Motor lief.
Er wusste sofort — das war kein Zufall.
Der Förster drückte das Kind an seine Brust und ging vorsichtig tiefer in den Wald, um den offenen Bereich zu verlassen. Gleichzeitig unterbrach er das Telefonat nicht.
In diesem Moment öffnete sich die Autotür.
Zwei Männer stiegen aus.

Sie sahen sich schnell um, als würden sie nach etwas suchen. Einer von ihnen deutete genau auf die Stelle, von der der Förster das Kind genommen hatte.
Sie hatten es bereits verstanden.
Der Förster wartete nicht. Er entfernte sich schnell, tiefer in den Wald hinein. Er kannte das Gebiet sehr gut und wusste, wo er auf dem kürzesten Weg auf die Hauptstraße gelangen konnte.
Das Kind war still geworden. Das machte es noch beängstigender.
In der Ferne waren bereits die Geräusche der Autotüren zu hören.
Sie kamen.
Nach ein paar Minuten erreichte er endlich die Straße. In diesem Moment ertönte das Signal eines Polizeiautos.
Die Männer schafften es nicht, näher zu kommen.
Später stellte sich heraus, dass es dieselben Mitglieder der Gruppe waren, nach denen gesucht wurde. Sie hatten das Kind vorübergehend dort gelassen, um es jemandem zu übergeben.
Wenn der Förster nur wenige Minuten später gekommen wäre, wäre das Kind einfach… verschwunden.